The African Methodist Episcopal Church (AME Church)
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St. George UMC innen, nach altem Vorbild restauriert, unten: Weiße, oben: Schwarze; Foto: Reinhold Parrinello, 2002 |
Die Afrikanische Bischöfliche Methodistenkirche (The African Methodist Episcopal Church, engl. Abkürzung: A.M.E. Church oder AME Church) erwuchs aus der Freien Afrikanischen Gesellschaft (Free African Society), einer Organisation für gegenseitige Unterstützung, die Richard Allen 1787 in Philadelphia, Pennsylvania (USA), gegründet hatte. Allen (1760-1831), der als Sklave geboren war und sich seine Freiheit erkauft hatte, hatte Erfahrung als methodistischer Reiseprediger und Mitarbeiter von Francis Asbury (1745-1816), einem der ersten beiden methodistischen Bischöfe. Ein hässlicher rassistischer Vorfall während eines Gottesdienstes in der methodistischen St. George Church in Philadelphia überzeugte Allen, einen anderen Zweig des Methodismus zu beginnen, in dem die Gleichwertigkeit aller Menschen in der Praxis gelebt werden sollte. Allen und weitere Leute besorgten sich ein eigenes Kirchengebäude und gründeten eine eigene Gemeinde in Philadelphia, die Bethel African Methodist Episcopal Church. Sie wurden darin von Francis Asbury unterstützt. Den Versuch weißer Methodisten der St. George Church, in die neue Gemeinde hineinzuregieren, beendete erst ein Urteil des höchsten Gerichts von Pennsylvania. 1816 gründete Richard Allen mit der Bethel-Gemeinde und weiteren Gemeinden afro-amerikanischer Methodisten der mittleren Atlantik-Staaten der USA die African Methodist Episcopal Church. Er wurde ihr erster Bischof.
Schon vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) weitete sich die AME Church über große Teile der USA und bis nach Kanada und Haiti aus. Im Bürgerkrieg kämpften Laien der AME Church auf der Seite der Nordstaaten, Geistliche dienten als Soldatenseelsorger. Noch vor Ende des Bürgerkriegs, aber auch danach, missionierte die Kirche in den Südstaaten. 1880 hatte die AME Church ungefähr 400 000 Glieder, von denen einige wichtige politische Positionen innehatten.
Die Vereinigung mit der Britischen Bischöflichen Methodistenkirche (British Methodist Episcopal Church) im Jahr 1884 brachte die Denomination zurück nach Kanada, und Bermuda sowie Teile Südamerikas kamen hinzu. Ab den 1890er Jahren breitete sich die AME Church auch im westlichen und südlichen Afrika aus. Missionare arbeiteten erfolgreich in der Karibik, besonders in Kuba.
In der Zeit der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts wanderten viele Afro-Amerikaner innerhalb der USA vom Süden in den Norden und Westen. Viele Gemeinden in großen Städten des Ostens und Nordens entwickelten ein soziales Evangelium ("social gospel"). Das veränderte die Stoßrichtung des Dienstes der AME Church.
Frauen haben nach und nach die Kirche dazu gedrängt, ihre geistlichen Gaben anzuerkennen. Richard Allen hatte Jarena Lee (1783-1850) das Predigen 1817 erlaubt. Bischof Henry M. Turner ordinierte Sarah A. Hughes 1885 in der Jährlichen Konferenz von North Carolina zur Reisediakonin. Obwohl sein Nachfolger das für nichtig erklärte, fungierten Frauen ab dem späten 19. Jahrhundert als Evangelistinnen. Unaufhörliche Bemühungen von Martha Jayne Keys und anderer veranlassten die Generalkonferenz 1960 die Ordination von Frauen zu Reisenden Ältesten zuzulassen. Vashti McKenzie, die in Lesotho lebt, war die erste Bischöfin der AME Church.
Mit mehr als 3,5 Millionen Gliedern in 8000 Gemeinden auf vier Kontinenten spielt die AME Church eine zentrale Rolle im Bewahren der Tradition Richard Allens in vielen Ländern Nord- und Südamerikas, Afrikas und Europas. Sie ist eine der ersten "schwarzen" Kirchen der USA und wohl die bedeutendste methodistische Kirche der Afro-Amerikaner.
(nach Dr. Dennis C. Dickerson im "Handbook of Information 2002 - 2006" des Weltrates methodistischer Kirchen, S. 101-104, übersetzt unter Auslassung und Ergänzung einiger Informationen)
Literatur
deutschsprachig
- Karl Steckel, C. Ernst Sommer (Hrsg.): Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche. Christliches Verlagshaus. Stuttgart 1982. ISBN 3-7675-7496-9 (ab S. 32)
englischsprachig
- John H. Wigger: Taking Heaven by Storm. Methodism and the Rise of Popular Christianity in America. University of Illinois Press. Chicago 1998. ISBN 0-252-06994-3 (besonders Kapitel 6 "Slavery and African-American Methodism", S. 125-150)
- Milton C. Sernett (Hrsg.): African American Religious History. A Documentary Witness. Duke University Press. Durham 1999. ISBN 0-8223-2449-0 (Richard Allen: Life Experience and Gospel Labors, Autobiographie mit weiteren Literaturhinweisen, S. 139-154)
- Kenneth C. Kinghorn: The Heritage of American Methodism. Édition du Signe. Strasbourg 1999. ISBN 2-87718-870-1 (besonders das Kapitel "Methodism and the Black Experience", S. 93-108)
- Russell E. Richey, Kenneth E. Rowe, Jean Miller Schmidt (Hrsg.): The Methodist Experience in America. A Sourcebook. Volume II. Abingdon Press. Nashville 2000. ISBN 0-687-24673-3 (Richard Allen Leads Black Methodists Out of St. George's Church, Philadelphia, S. 116-122)
Externe Web-Links (englischsprachig)
- About Us - Our History (Geschichte der AME Church auf ihrer Website)
- Richard Allen (Kurzbiografie, Public Broadcasting Service)
Quertöne – ein Musical-Chor